Was ist Audiohyperspace?

Auf den Spuren akustischer Netzkunst

Audiohyperspace beruht auf einem Radio-Feature, das ich 1998 für die Hörspiel-Abteilung des SWR verfaßt und produziert habe. Im Mittelpunkt stand das damals noch recht neue Medium Internet und die Erforschung seines Verhältnisses zur Welt des Hörbaren und der akustischen Kunstformen. Eine der vielen Fragen, die uns damals umtrieben, war: Welche neuen, nicht-linearen Formen der Produktion und der hörenden Aneignung von akustischer Kunst werden sich durch das Internet ergeben? Welche anderen, vielleicht neuen künstlerischen “Audiovisionen” lassen sich durch die digitalen Netzwerke realisieren?

Auf der Grundlage dieser Sendung, ihrer Fragen und ihrer vorläufigen Antworten entwickelte sich eine monatlich aktualisierte Webseite, die offizieller Bestandteil des SWR-Hörspiel-Programms war. Am wichtigsten war hier der “Audiolink des Monats”, in welchem online verfügbare, zumeist (aber nicht immer) unabhängig produzierte, netzbasierte Audioprojekte vorgestellt und kommentiert wurden. Ein Jahr später kam “Das Interview” dazu, in welchem sich Persönlichkeiten aus Kunst, Medien, Technologie und Kultur zu grundsätzlichen Fragestellungen der Audiohyperspace-Thematik äußerten.

Begleitet wurde Audiohyperspace von ingesamt vier Radio-Features, die Teil des regulären On-Air-Programms der SWR2-Hörspiel-Abteilung waren. Eines seiner Hauptthemen war  „Frankensteins Netz. Prométhée Numérique. Wiretapping the Beast“ (2002), netzbasierte Klanginstallation, Performance und Hörstück von Atau Tanaka, unter Mitwirkung von Antoine Schmitt. Diese große internationale Produktion wurde gemeinsam von SWR, ZKM, Radio-Canada, IAMAS, den Goethe-Instituten Tokio und Montreal und zahlreichen anderen Partnern hergestellt.

Die Thematik von Audiohyperspace bewegte sich vom Internet als Audiomedium über Modelle für partizipative und interaktive Audio-Kunst über Interface-Konzepte hin zu Strategien von “user generated content” und deren Diskussion.

Ende November 2008 konnte Audiohyperspace  vom SWR nicht mehr weitergeführt werden, nicht zuletzt aufgrund der veränderten Gesetzeslage für die ARD hinsichtlich der programmlichen Nutzung des Internet, aber auch aufgrund meines hauptberuflichen Wechsels an eine Hochschule.

Deshalb führe ich Audiohyperspace nun auf einer unabhängigen, von mir selbst betriebenen Website weiter. Wie auch in all den Jahren zuvor verstehe diese als einen audiomedialen Horchposten in den vernetzten Datenwelten unserer Gegenwart.

Diese Website dokumentiert das Audiohyperspace-Archiv von 1998-2008, macht das Archiv der Audiolinks und Interviews zugänglich. Sie wird in Kürze mit regelmäßigen Aktualisierungen weitergeführt.

Audiohyperspace war und ist ein ungewöhnliches Projekt für ein Kulturradio.

Ich bedanke mich bei den Technikerinnen und Technikern, Ingenieurinnen und Ingenieuren des SWR, welche die Radioarbeiten, die im Rahmen von Audiohyperspace entstanden, mit großem Einsatz und produktiver Neugier mit umgesetzt haben.

Dank gebührt auch dem Chef-Dramaturgen des SWR-Hörspiels Hans-Burkhard Schlichting, der Audiohyperspace mit Schwung initiierte und redaktionell betreute.

Mein Respekt gilt den Künstlerinnen und Künstlern sowie dem Publikum von Audiohyperspace, deren kritisches oder zustimmendes Interesse und deren kreative Energie das Projekt immer wieder erfrischt haben. Viele von ihnen haben vernehmlich zum Ausdruck gebracht, daß Audiohyperspace weiter geführt werden soll. Dank an sie für Unterstützung und Ansporn.

Last but not least danke ich der Mediathek des ZKM Karlsruhe für die Bereitschaft, Audiohyperspace künftig zu hosten.

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