Unterhaltungen im Internet

HörSpiel als Interaktion

von Sabine Breitsameter

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E: Daß es da einen festgelegten und vom Radio-Direktor verantworteten Programm- Ablauf gibt, den sie durcheinanderbringen, scheint sie nicht zu kümmern.
Zauberei auf dem Sender
“Da ist ein Komplott! Wenn dieser Unsinn siegt, dann bin ich am Ende!”

E: Die Radiostation: besetzt von unsichtbaren Stimmen. Der Rundfunk: außer Kontrolle. – “Zauberei auf dem Sender”, lautet der Titel dieses ersten deutschen Hörspiels, das der Nachwelt nur als Remake erhalten ist.
Zauberei auf dem Sender
“Wo kommen wir denn hin, wenn jeder tun würde, was ihm gefällt?!”

(Collage klingt aus)

DIETER DANIELS
Man sieht, daß die Entstehung des Broadcasting als industrielle Informationsver-breitungs- Maschinerie parallel läuft mit einer möglichen Vision einer anderen Nutzung dieser Technologien

E: …einer interaktiven Nutzung. Nicht: Einer sendet und alle hören zu. Sondern: Der Äther – ein Raum für alle. Jeder kann Sender und Empfänger sein. – So wie im ersten deutschen Hörspiel mag die Frühzeit des Radios geklungen haben: Ruf und Gegenruf auf einer Frequenz. Hunderte von AmateurSendern sprachen durcheinander. Viele kommunizierten mit vielen, in ein und dem selben virtuellen Raum. Das ganze lief nicht viel anders ab als ein heutiger Chat im Internet, allerdings akustisch.

DIETER DANIELS
… Und das beginnt eigentlich mit Bert Brecht, der ja das berühmte Statement als Kritik an der Situation des Radios verfaßt hat, daß es aus einem Produktionsgerät zu einem Kommunikationsgerät zu verwandeln sei.

Zit: “Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Komunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheueres Kanalsystem,

DIETER DANIELS
Ich denke, daß die Debatte der Interaktivität auf einer Kritik dieses Prinzip des Broadcasting fußt, auf dem Wunsch, daß ein neuer sozialer Raum geöffnet werden soll. Daß Medien solch eine demokratisierende, öffentliche Funktion haben sollten und könnten.

Zit: das heißt, der Rundfunk könnte so sein, “wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Hörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen .”
Zauberei auf dem Sender
“Das ist ausgeschlossen, die ganze Weltordung würde zusammenbrechen. Die ganze Weltgeschichte hätte ihren Sinn verloren!”

E: Bis 1924 war in Deutschland der Betrieb von Amateurfunksendern bei Gefängnisstrafe verboten. Nicht einmal die Vergabe entsprechender Lizenzen unter kontrollierten Bedingungen war bis dahin vom Staat vorgesehen.
Zauberei auf dem Sender
“Aber letztlich wollen wir die Ordnung. Und sicherlich ist die Ordnung das Richtige, und die Unordnung ist falsch!”

E: Seit dem Kaiserreich unterstand das Funkwesen – anders als die Presse – einem Hoheitsrecht. Die Angst der deutschen Militärs und der autoritätsfürchtigen Bürokraten vor öffentlicher Rede und Gegenrede, vor anonymen Stimmen aus dem Äther, die jederzeit zu allen sprechen konnten, begünstigte nach dem ‘Funkspuk’ der Novemberrevolution von 1918 ein Kommunikationsmodell, das bis heute umgangssprachlich als“Radio” verstanden wird: das Modell “Rundfunk”, dessen Reichweite sich zu allererst am Radius der Ausbreitung mißt. Er wurde auf Jahrzehnte hin zum Synonym für das zentrale, sternförmige Sendemonopol.

Zit: „Rundfunk: einer spricht, ohne zu hören, und alle übrigen hören, ohne sprechen zu können.“

B: Rudolf Arnheim 1933

Zit: “Der Rundfunk müßte demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren.”

B: Bertolt Brecht 1932

DIETER DANIELS
Die Kommerzialisierung des Internet in den 90er Jahren und die flächendeckende Industrialisierung zu einem Monomedium ist sehr stark vergleichbar der Monopolisierung des Radios in den 20er Jahren.

(Leitmotiv)

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