Unterhaltungen im Internet
HörSpiel als Interaktion
von Sabine Breitsameter
Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
RUDOLF FRIELING
Das hat gleich seine kommerzielle Anwendung, weil natürlich im Moment alle Firmen daran arbeiten, Profile von Usern zu schaffen, so daß ganz individuell auf einen User ein spezielles Angebot formatgerecht erstellt werden kann.
DERRICK DE KERCKHOVE
The internet would me much better…
ÜM: Dennoch glaube ich, das Internet würde sich sehr verbessern, wenn der User auf seinen Input hin nur noch die Antworten erhielte, die ihn weiterbringen, wenn es ein lernfähiges System wäre, daß sich nach ähnlichen Mustern reorganisiert wie z.B. neurale Netzwerke.
(Tipp-Geräusche von der Website) http://turbulence.org/Works/channelUntitled/index.html (Channel Untitled)
B: (liest ab/übersetzt) Deine Tastatur ist besessen. Sie gehorcht Stimmen aus dem Jenseits.
E: Ein Totenkopf taucht auf. Sein Mund bewegt sich mechanisch im Takt der Anschläge.
(Tippen)
B: Jemand ist hier. Unsichtbar. Eine alte Frau. Wer könnte das sein?
Zit: “Channel untitled” nannte die New Yorker Multimedia-Künstlerin Diane Bertolo diese Internet-Installation. Sie ist auf der US-amerikanischen Webkunst-Site “Turbulence” zu finden.
DIANE BERTOLO
A conversation is superinteractive. but to really make that happen with a technology
ÜW: Ein Gespräch ist etwas absolut Interaktives. Aber das technisch zwischen Mensch und Computer umzusetzen, braucht eine komplexe Sprachprogrammierung, zu der allenfalls ein hochspezialisierter Informatiker fähig ist – oder auch nicht. Ich glaube, die interaktive Netzkunst ist noch völlig im Anfangsstadium
DIANE BERTOLO
…we still have a long way to go.
B: Eine alte Frau. Wer könnte das sein?
E: Meine Tante.
B: Ja, das ist möglich. Sie hat eine Nachricht für dich. Sie fragt: Wann kann ich gehen?
E: Der klappernde Totenkopf: ein Medium für Botschaften aus dem Jenseits. Diane Bertolo hätte diesem Dialog mit dem Jenseits gerne auch eine hörbare Stimme verlieren. Aber noch ist die Technik zu aufwendig, das Netz zu schmalbandig, sind die meisten Rechner zu langsam, um Ein- und Ausgabe der Texte in Echtzeit auch noch akustisch umzusetzen.
B: Du kannst der alten Frau eine Frage stellen!
(Tippen)
E: Warum willst du gehen?
B: Sie sagt: Weil mich stört, daß man sich Maschinen als Anhängsel des Körpers vorstellt.
(Tippen)
