Unterhaltungen im Internet

HörSpiel als Interaktion

von Sabine Breitsameter

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Zit: Transformator Elektrofon
Resonator Theremator Informator Netzbrummen
http://electrica.leonid.de/cgi-bin/index.cgi

E: “Electrica”, eine siebenteilige Audio-Installation im Web, geschaffen von den Berliner Künstlern Gundula Marcheffsky und Peter Mühlfriedel. Sie bietet demjenigen, der sich in sie hinein begibt, fast unerschöpflich viele Variationen, die Geräuschwelt der Seite zu gestalten.

(Elektrofon)

Zit:Elektrofon:

E: Acht verschiedene Elektroröhren in nostalgischem Design, zehn grafisch markierte Samples, eine Klaviatur, die für acht unterschiedliche Instrumente gestimmt werden kann. Jeder Klang läßt sich ansteuern und verändern; Samples lassen sich hinzufügen, einzeln oder mehrfach.
Wer schnelle Resultate fabrizieren möchte, ist bei “Electrica” an der falschen Adresse. Ähnlich wie beim Erlernen eines traditionellen Musikinstruments kann nur derjenige dem System differenzierte Klänge entlocken, wer es ausprobiert und übt, wer sich darauf einläßt und sich in das Brutzeln, Rauschen, Flirren des akustischen Stroms hineinziehen läßt.

(Elektrofon)

Marcheffsky/Mühlfriedel
Es gibt eigentlich zwei Sachen, die wir interessant fanden an “Electrica”. Einmal, daß halt eine Art Welt entsteht, eine Art Kosmos, in dem der User, Hörer, Spieler eintauchen kann, den er untersuchen kann, und daß dadurch eine Interaktion entsteht. Daß man navigieren muß, daß man spielerisch diese ganze Welt erfahren kann. Das ist die eine Seite.

(Elektrofon)

Marcheffsky/Mühlfriedel
Die andere Seite ist, daß die spannendste Interaktion noch immer die ist zwischen Menschen. Und nicht zwischen Mensch und Maschine. Und wir fanden spannend, daß Leute die Seite nutzen können und selber mitgestalten können. Daß Klangkombinationen abgesichert werden können auf dem Server, daß die Seite wächst und andere können diese Sounds sich anhören. Und das ist viel spannender als die reine Mensch-Maschine- Interaktion.

(“Electrica” klingt aus)

Marcheffsky/Mühlfriedel
Gerade die Plattenfirmen sind in der Zwangslage, daß sie das Internet zurückerobern müssen von den Napstern und Gnutellas,

B: …den Raubkopierern, die sich aus dem Internet ihre Popmusik auf den Computer laden…

Marcheffsky/Mühlfriedel
…und das können sie schaffen, indem sie zusätzliche Anreize schaffen für die Nutzer, Spielevarianten mit Sound, die man interaktiv remixen kann also das wäre die kommerzielle Seite. Und dann sehen wir Perspektiven, daß in Zukunft andere Leute so ähnliche Sachen produzieren wie wir mit “Electrica”. Daß es eben so kleine interaktive Klangmaschinen gibt, die Leute erzeugen, mit ihren eigenen Bildern, ihren eigenen Sounds, und die dann im Netz umherschwirren und gesammelt werden, auf jeden Fall von vielen Leuten verwendet werden, verändert werden ….

Zit: “Die Masse ist eine matrix, aus der gegenwärtig alles gewohnte Verhalten Kunstwerken gegenüber neugeboren hervorgeht.”

I: Walter Benjamin, Mitte der dreißiger Jahre.

Zit: “Die Quantität ist in Qualität umgeschlagen: Die sehr viel größeren Massen der Anteilnehmenden haben eine veränderte Art des Anteils hervorgebracht. es ist im Grunde die alte Klage, daß die Massen Zerstreuung suchen, die Kunst aber vom
Betrachter Sammlung verlangt. Das ist ein Gemeinplatz. Bleibt nur die Frage, ob er einen Standort abgibt…”

E: … auch für das Verständnis von interaktiver Netzkunst, zumal der akustischen. – Welche Rolle spielen hier Sammlung, Kontemplation, Zuhören?

(Dialtone) http://dial.tone.hu/archive.html

TAMAS SZAKAL
Es ist sehr interessant wie Menschen damit umgehen, in etwas live eingreifen zu können, etwas durch einfache Handlungen verändern zu können.

B: Tamas Szakal, Audiokünstler aus Ungarn, Schöpfer der Installation “Dialtone”.

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