Radio-Wandel

Die Mobilisierung des Hörens

von Sabine Breitsameter

Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26

A: Jedem sein Sendekanal. Jedem seine Möglichkeit, Inhalte zu verbreiten. Was das Internet Ende der 90er Jahre durch das Streaming zwar verhieß, sich aber als technisch vergleichsweise aufwändig und vor allem störanfällig erwies: durch das Podcasting und seine komfortable Produktionsmethode wird es für jedermann ausgesprochen einfach, sich öffentlich zu verbreiten.

ZM: „Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens (…), wenn er verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen.“

ZA: Bertolt Brecht in seinem 1930 gehaltenen Vortrag „Der Rundfunk als Kommunikationsapparat“.

A: In Beziehung setzen.: Das meint, die Beziehung von Sender und Empfänger kehrt sich nicht einfach um, sondern wird dynamisch und flexibel. Aus der definierten Rolle des Empfängers, der zurückgelehnt dem Sendermonopol lauscht, kann und soll eine bewegliche Doppelrolle werden: die eines Senderempfängers.

(Es folgen collagierte Beispiele verschiedener Podcasts von Individuen bzw. marginalen Institutionen: das Campus-Radio der Hochschule Darmstadt, „Schlaflos in München“ von Annik Gubens etc. etc. )

(Leitmotiv)

Noble 6
You can repeat a book, but it doesn’t let you into the loop.

ÜN: Ein Buch, eine CD, eine Radiosendung, auch wenn man noch so oft darüber spricht oder schreibt, öffnet Dir nicht den Kommunikationskreislauf, nicht das unmittelbare Netzwerk an Rückmeldungsmöglichkeiten. Der Rezipient bleibt Rezipient. – Worum es mir geht: ich möchte Texte, Produktionen jedweder Art, dynamischer machen, offener, sie nicht als abgeschlossene und abgesichertes Elaborate begreifen. Ich und viele andere, wir wollen uns nicht als die Allwissenden präsentieren. Manchmal ist es sehr viel spannender, seiner Communityzu signalisieren: Ich bin an Deiner Meinung interessiert. Nicht: Hey, ich weiß was. Oder: Ich möchte mein Thema von verschiedenen Gesichtspunkten aus bearbeiten. Und nicht: Ich erzähl Euch mal meine Ansicht. – Dabei ändert man natürlich auch seine Rolle: Man muß Kontrolle abgeben, sonst kann man den Prozeß nicht für die anderen Interessierten öffnen. Deshalb ist es in meinem „looplog“ möglich, Gedanken, Thesen, Meinungen direkt zu kommentieren, Gesetztes zu verändern. Und zwar so, dass der Prozeß nicht anonym, sondern nachvollziehbar abläuft.

(Leitmotiv endet)

ZF: 28. September 2004: Gibt man das Wort Podcast ein, erzielt Google 24 Treffer.

ZM: 30. September 2004: 526 Treffer.

ZF: 3. Oktober 2004: 2750 Treffer.

ZM: 27. März 2005: Die Sendung ‚SWR2 Wissen’ unter der Leitung von Detlef Clas stellt den ersten Podcast der ARD ins Internet. Thema: „Weltweit. Der 27. März 2005“ – mit Beiträgen aus allen Kontinenten.

ZF: 18. Oktober 2005: Die Trefferquote des Worts „Podcast“ bei Google überschritt 100.000.

ZM: 24. November 2005: Die Trefferquote liegt über 1 Million.

ZF: 1. April 2006: 8 Millionen mal wird der Begriff „Podcast“ im Internet gefunden.

Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26

Suche:
viagraviagraviagraatlantic drugs