Radio-Wandel

Die Mobilisierung des Hörens

von Sabine Breitsameter

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Ü: Die Menschen laufen vorbei und ignorieren ihn. Seine Phrase, die man kaum versteht, drückt Verzweiflung aus. Er versucht, seine Botschaft zu vermitteln, aber niemand hört ihm zu. Aber niemand läßt sich auf ihn ein. Niemand tritt mit ihm in Austausch. Er gewinnt keine Beziehung zu den Menschen um ihn herum. Keine Kommunikation zwischen ihm und der Welt, die ihn umgibt. Was er sagen will, geht einfach unter.

(Man hört den Mann nochmal)

Noble 14
For me that’s symbolized (.) when you are trying to develop a thesis

Ü: Für mich symbolisiert dieses Hörerlebnis wie man sich typischerweise isoliert im Kreis drehen kann, wenn man einen literarischen Text verfaßt, eine wissenschaftliche Arbeit oder eine Komposition.

Noble 14
What I want to avoid (?)

Ü: Ich möchte vermeiden, daß mir in meiner Arbeit und meinem Leben etwas Derartiges passiert und frage mich, welche sozialen Strukturen, Methoden und Werkzeuge man anwenden oder entwickeln kann, um die Beziehungs- losigkeit, in welcher der alte Mann vor meiner Tür gefangen war, zu vermeiden. Haben die neuen Webtechnologien und die damit verbundenen Kommentar-Systeme, Weblogs und Podcasts hier vielleicht einen positiven Effekt? Ich möchte das herausfinden.

(Leitmotiv)

Pritlove 4/5
Mein Name ist Tim Pritlove, ich bin seit Ewigkeiten mit Computern zugange, (.) mal als Programmierer, mal als Veranstalter von Konferenzen und auch als eigener Publizierer im Netz, wie das so viele machen, (..) Ich hab schon etwas länger eine Radioerfahrung, weil wir mit dem Chaos Computerclub vor 11 Jahren mit einer Sendung namens Chaosradio begonnen haben, wir haben die Möglichkeit gehabt, beim Radiosender Fritz vom ORB, heute RBB, einmal im Monat eine Drei-Stunden Talksendung zu machen zu unseren Themen, die wir auch frei gestalten können. (…) Wir haben schon immer die Aufzeichnungen der Sendung in das Internet gestellt, die Leute konnten sich das halt herunterladen. Podcast ist i.G. nichts anderes als dass dieser Vorgang vereinfacht wird.

E: Zur Erinnerung: Als Mitte der 90er Jahre die neue Methode des Webcasting im Internet erlaubte, ähnlich wie ein Radiosender, ein lineares Programm zu senden, einen so genannten Stream, nutzten namentlich Künstler und Medienaktivisten diese Möglichkeit, ihre Audioproduktionen zu veröffentlichen. Nun war es nicht mehr nötig, das Nadelöhr der etablierten Sender zu passieren. Auch der Traum, einen eigenen Radiosender zu haben und mit eigenen Inhalten zu füllen, konnte nun – per Internet – realisiert werden. Während ein On-air-Sender aufwändig, teuer und mit nur geringen Erfolgsaussichten bei den Behörden Sendefrequenz und –lizenz beantragen muß, steht das Webcasting im Internet jedem offen, der die nötigen technischen Kenntnisse hat.

(Trailer Radio O-Zone)

A: Zu den künstlerischen Pionieren im Bereich des Webcasting zählte das ettische „Relab.net“, das mit den wöchentlichen Internet-Streams ihres vielfach preisgekrönten „Radio Ozone“ auf sich und seine Audioperformances aufmerksam machte,

(Klangbeispiel)

A: Dies nicht nur per Webcasting, sondern – wie viele andere auch – per Audio on Demand: So war das Archiv der vergangenen Sendungen online abrufbar.

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