Radio-Wandel
Die Mobilisierung des Hörens
von Sabine Breitsameter
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sich jedoch am Podcasting ab: Es hat die Kraft, die Beziehung zwischen Sender und Empfänger, die durch die klassischen Medien, vor allem den Rundfunk, acht Jahrzehnte lang praktiziert und verinnerlicht wurde, neu zu ordnen.
E: Statt der sternförmigen Kommunikationsarchitektur des Broadcast die dem Sender die aktive und dem Hörer die still-entgegennehmende Rolle zuweist, suggeriert das Podcasting mit all seinen schriftlichen und akustischen Rückmeldemöglichkeiten ein Modell vor, das die Beziehung zwischen Sender und Empfänger flexibel macht. So kann es einen Kommunikationskreislauf in Gang bringen, in dem der Empfänger immer wieder auch zum Sender wird und umgekehrt.
ZM: Ein Blick in das Verzeichnis „podster.de“ zeigt am 1. April 2007 XXXXXX Podcasts, allein für den deutschsprachigen Raum.
ZF: Wer hat Zeit, das alles hören? Wer hat Energie auf das alles zurückzusenden?
(„Gesprochener Brief“: Lord Mayor of London)
A: Soll die Mobilisierung des Hörers gelingen, muß das neue Beziehungsmodell, das vom Podcasting suggeriert wird, entwickelt und kultiviert werden: Wer Teilnahmemöglichkeit, Interaktion, wer den Senderempfänger einfordert, wer die Monopole der Etablierten stürzen möchte, darf sich selbst nicht mit der Rolle eines monopolheischenden Ich-Senders zufriedengeben. Das flexible Spiel zwischen Sender und Empfänger setzt vor allem den guten Zuhörer voraus.
E: Nicht, damit dieser wie in früheren Zeiten, passiver Rezipient ist, sondern er Raum und Anlaß gewinnt, sich das Gesendete, Ausgewählte, Gehörte anzueignen.
A: Nur wer zuhört, kann treffliches Feedback geben, ein Thema zum bunten Oszillieren bringen. Nur wer zuhört, kann zusammenführen, Kritik üben, filtern und aus dem Destillat Neues entwickeln.
E: So wird man ein guter Sender: indem man konsequent auf Empfang ist. Das gilt für die etablierten Kanäle ebenso wie für die unabhängigen Profis, für die Politik- und Wirtschaftselite ebenso wie für die Hobby-Podcaster.
A: Ohne Zuhören kein Loop, kein Kommunikationskreislauf, kein In- Beziehungtreten: keine Annäherung an die Brecht’sche Utopie.
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