Radio-Wandel
Die Mobilisierung des Hörens
von Sabine Breitsameter
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Noble 10a
Aggregation and moderation to me are the two primary roles that I think academics
ÜN: Im Web 2.0, wird das Zusammenführen und Moderieren von Wissen und Kreativität eine zentrale Rolle spielen müssen. Hierzu braucht man Spezialisten, hier können sie ihr Wissen sinnvoll anwenden.Was sie verhindern müssen, ist Manipulation, durch Gruppen oder durch einzelne.
(Leitmotiv)
Nieh 13 a
Es gab dann ganz schnell im Laufe des Jahres 2006 das Phänomen, dass die ganzen Podcast-Situationen, die ja Kommentierungen jedes Eintrages zulassen, die comments, dass die plötzlich von irgend welchen unsäglichen Spammern überflutet wurden mit hunderten von Einträgen, dass man in irgend einem Onlinekasino mitspielen soll oder irgendwelche anderen Dinge tun soll… (Nieh 13/14) Podcast hat so was ähnliches zu unserer Zeit beigetragen wie vielleicht Ende der 60er Jahre so Begriffe wie „Summer of Love“ oder so. Das ist ne historische Phase, die kann man sich gar nicht kurz genug vorstellen. Es war mal kurz etwas möglich und es war leicht möglich und es war unschädlich möglich, und das geht ganz schnell vorbei…
E: Sommer 2006, Folge 423: Frank Niehusmann stellt seinen letzten Podcast ins Netz.
(es folgt eine Collage letzter Podcasts verschiedener privater Autoren)
E: Und das Podcasting boomt wie nie. Schätzungsweise warten im Juli 2006, also zwei Jahre nach der Premiere von Adam Currys „Daily Source Code“ allein in Deutschland fast 200.000 Podcasts auf Zuhörer: Autohersteller wie BMW oder Daimler-Chrysler, Unternehmensberater, politische Parteien, Kulturinstitutionen, Versandhäuser, Zeitungen, private und öffentlich-rechtliche Rundfunk-Anstalten der ARD,…. Sie alle, neben zahllosen Laien, die das Medium neu für sich entdeckt haben, machen Podcasts. Sie alle wollen Aufmerksamkeit, sollen gehört werden.
Haderlein 39
Also, da haben wir es auch mit einer Vertrashung des Hörraums Internet zu tun.
ZF: „Du. Ja, Du. Du steuerst das Informationszeitalter. Willkommen in Deiner Welt.“
A: Podcast, nur ein weiterer Distribtutions- und Marketingkanal für diejenigen, die ohnehin zur politischen und gesellschaftlichen Elite zählen? Nur ein weiterer Kanal der Selbstdarstellung und der Besserwisserei für viele Laien?
E: In der internationalen Podcast-Szene rumort es. Viele der frühen Mitentwickler sehen Podcasting vereinnahmt von Politik, Industrie und etablierten Medien, vermissen den Geist des demokratisierenden Potentials. Gestritten wird auch über Adam Curry, den „Podfather“. Curry habe nachweislich den Artikel über die Anfänge des Podcasting auf Wikipedia, der freien, von Internet-Usern produzierten Enzyklopädie, manipuliert, Namen entfernt und seine Protagonistenrolle überdimensional herausgekehrt, so der Vorwurf. In der Szene kommt es zu einem Aufschrei. Man ruft zum Boykott von Currys „Daily Source Code“ auf. Doch der Aufstand verebbt rasch.
(Leitmotiv)
A: Mag sein, dass durch das Podcasting zwar die Mobilisierung des Hörens, nicht aber die Mobilisierung des Hörers gelungen ist. Viele möchten zwar Sender sein, buhlen um Aufmerksamkeit, aber das In-Beziehung-Treten, zwischen Sender und Empfänger, das von Brecht so eindringlich gefordert wurde, der Kommunikationskreislauf, der sich auf die technischen Möglichkeiten wie auf den Kommunikationswillen des einzelnen stützt, ist als notwendige Voraussetzung einer gelingenden Web 2.0-Kultur nur wenig ausgeprägt.
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