Radio-Wandel

Die Mobilisierung des Hörens

von Sabine Breitsameter

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A: www.niehusmann.de: Jeden Tag ein Stück Audiokunst frei Haus. Über ein Jahr lang. Was hat der Komponist heute zu bieten? Worum geht es in seinem neuesten Stück? Wie löst er dieses Mal seine Aufgabe?

Nieh S. 4
Wie lange hältst Du das durch und wie lange hält die Kompositionsidee das durch? Weil das sind ja zwei verschiedene Paar Schuhe.

(Hörbsp)

ZM:    Podcast Nr. 225 am 3. Januar 2006.

(Hörbsp.)

ZM:    Podcast Nr. 301 am 4. April 2006

Nieh S 5c
Dann kam der Punkt, da habe ich dann gesagt: So, jetzt kommt die erste CD, jetzt erkläre ich etwas für gesichert. Und dann stelle ich fest, Du hast hier (.) Kompositionen der Öffentlichkeit vorgestellt, da sind ja manche unglaublich schwachen Sachen dabei. Die Filtration, welche 20 dann auf die CD kommen, war dann schon ein Blick in den Abgrund.

(Hörbeispiel klingt aus)

A: 438 Stücke Audiokunst über einen Zeitraum von anderthalb Jahren. Die Qualitätskriterien hierfür sind anders gelagert als wenn es um die Bewertung einer singulären Komposition geht, eines Unikats. – Auf einer CD, die öffentlich vertrieben und verkauft wird, sollte sich ein Stück auch nach mehrmaligem Hören noch bewähren und als einzelnes, herauslösbares auch noch Jahre später ästhetisch und inhaltlich bedeutungsvoll sein.

Dem seriellen Prinzip, dem der regelmäßigen Podcast unterliegt, sind andere Schwerpunkte in der Bewertung angemessen: Dessen Qualität speist sich zu einem wichtigen Teil daraus, dass sich die einzelnen Episoden in der Reihenfolge gegenseitig beleuchten. Sie bilden als Reihe einen Kontext für die einzelne Folge. Es kommen dabei Kriterien ins Spiel, die bei einem einzelnen, für sich stehenden Werk meist weniger stark ins Gewicht fallen: Variationsspielräume etwa, Überraschungsmomente, Selbstreflexion, mitunter sogar Selbstironie. So kann der einzelne Podcast, der Bestandteil einer Reihe ist, als Teil eines Prozesses wahrgenommen werden, der so lange im Fluß ist, bis die letzte Episode online steht.

Nieh. S. 4
Wie weit bist Du erschöpfbar oder wann ist die Idee erschöpft? An so nem Grenzpunkt bin ich inzwischen angekommen.

E: Podcasting tritt als ein Audiomedium hervor, das nicht auf Abgeschlossenes, quasi „Geronnenes“ baut, sondern auf das dynamische, kommunikative Verfertigen von Inhalten und Formen. Der Produktionsprozeß aus dem Probenraum, die Debatte aus dem wissenschaftlichen Kolloquium, der kommunikative Reifungsprozeß eines künstlerischen Vorhabens können so greifbar werden. Anders etwa als im Radioprogramm, wo es das Abgeschlossene und Gesicherte ist, das man der Öffentlichkeit bieten möchte.

A: Einen Prozeß zu verfolgen, kann allerdings etwas sehr Spannendes sein. Nicht zuletzt deshalb, weil hier transparent wird, auf welche Weise ein Thema, eine Meinung, ein Konzept, ein Diskurs Gestalt gewinnt.

E: Was allerdings belang- und inhaltslos vor sich hindümpelt, vermag weder in seinem Resultat noch als Prozeß das Publikum bei der Stange zu halten.

(Leitmotiv)

ZM: Kategorie 7

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