Radio-Wandel
Die Mobilisierung des Hörens
von Sabine Breitsameter
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ZM: Frank Niehusmann, Podcast Nr. 2, am 3. Mai 2005.
Nieh 1
…aber [offenbar war es so], wenn man im Mai 2005 seinen Podcast eröffnete, dann war das ungefähr so: (..) Man schrieb sich gegenseitig Mails: Hallo, ich habe da einen Podcast gesehen und dann kamen auch gleich so Anfragen, können wir von Deiner zweiten Komposition die ersten dreißig Sekunden als Info für unseren Podcast benutzen und so Sachen.
(Hörbsp.)
A: www.niehuesmann.de: Eine Versuchsanordnung. Ausgangspunkt ist ein damals noch relativ neues Distributionsverfahren für Audio namens Podcasting. Die Fragestellung: Was passiert mit der Komposition, mit dem Künstler, mit dem Publikum unter folgenden Bedingungen:
Nieh S. 3
Ich hab, das war Teil meines künstlerisch erfundenen Rituals, jeden Tag eine drei Minuten-Komposition angefertigt, und ich habe mir gesagt, a) das ist ungesichert, b) ich weiß, man muss Abstand dazu kriegen. Man muss das einfach mal, so wie der Metzger sagt, hängen lassen, das muss erstmal ein bisschen lufttrocknen. Und wohin damit, einfach auf der Festplatte vergraben (.) gefiel mir nicht, ich wollte es ausstellen. Nach dem Motto, „Kann so schlimm nicht sein, mal sehen, was Leute dazu sagen, die es hören“ hab ich das anfangs wirklich jeden Tag hochgeladen und da gab`s jeden Tag drei neue Minuten von mir im Netz.
(Hörbeispiel)
ZM: Podcast Nr. 67 am 7. Juli 2005.
Nieh S. 3
Und dann ist das auch sehr schön, dass der einsame Fleiß des Komponisten mitten zwischen seinen ungesicherten Erfindungen plötzlich im Monat 150 bis 200 Mal runtergeladen wird und die Leute manchmal sogar was dazu schreiben. Und plötzlich so irgendwie nach drei, vier Wochen findet man, dass es Links dazu gibt. Nieh. S. 4 Die plötzliche, neue Möglichkeit (..) mit der neuen Technik mit einem Publikum zu kommunizieren und das auch noch auf der spielerischen Ebene…
(Hörbeispiel)
Niehus S. 6
Wenn ich (.) mein System erkläre, dann ist eigentlich sofort klar, es handelt sich hier nicht im schlechten Sinne um eine Fließbandarbeit. Weil, ich habe zwei Qualitäten, auf denen ich jeden Tag versuche neu ein Tor zu schießen. Die eine Qualität ist, dass ich als Sammler von Klängen und Geräuschen über die Jahre mit dem Archiv eine Basisqualität geschaffen habe, aus der ich nun schöpfen kann, weil es mein Archiv ist. (..)
E: Als Thomaskontor musste Johann Sebastian Bach über mehrere Jahre hinweg jeden Sonntag eine Kantate schaffen. Joseph Haydn war als omponist beim Fürsten Esterhazy für die manchmal fast täglichen Anlässe des höfischen Lebens in der Pflicht. Beide begegneten dem Schaffensdruck mit einem klaren formalen System, auf das sie aufbauten.
Niehus S. 6
Und der zweite Punkt ist, ich habe mir selber eine Software-Struktur geschaffen, programmiert, die wesentliche Grundregel und Basis dieser Podcast Komposition gewesen ist. Das ist keine triviale Angelegenheit. (..) Das ist definitiv das Gegenteil von Fließbandarbeit, aber es ist jeden Tag die Chance, etwas total in den Sand zu setzen.
Nieh. S. 4 (extra)
Die Kompositionsidee muss es tragen und ich muss es können.
(Hörbsp.)
ZM: Frank Niehusmann, Podcast Nr. 157, am 23, November 2005.
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