Radio-Wandel

Die Mobilisierung des Hörens

von Sabine Breitsameter

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A: Silence Radio geht nicht auf Sendung. Der Hörer schaltet sich nicht in das laufende Programm ein. Es verfügt aber über eine Vielzahl von Sendungen und ein klares Programmprofil.

Oliv. 4’
Nous sommes un canal pour l’art de radio.

ÜO: Wir sind ein Kanal für die Radiokunst.– In Belgien steht der zeitgenössischen Kunst wenig Geld zur Verfügung. Die öffentlichen Sender bringen fast keine Radiokunst mehr. Silence Radio ist unser bescheidener Versuch, dem Hörer diese Kunst vorzustellen, ihm zu zeigen, dass sie existiert und welchen Entwicklungsstand sie aufweist. Podcasting soll der erste Schritt zu einem Sender sein, der irgendwann, bald hoffentlich, auch on air zu hören ist.

Oliv 5’
On n’a pas d’argent

ÜO: Wir haben kein Budget. Trotzdem beauftragen wir alle drei Monate eine neue Staffel von Künstlern, für uns Stücke produzieren. Nicht länger als 15 Minuten sollen sie dauern. Die Künstler schaffen diese Stücke exklusiv für uns. Um unser Projekt zu realisieren, mobiliseren wir unser Netzwerk. Dann wird es nicht so teuer.

E: Jacques Foschia, Chantal Dumas, Etienne Noiseau, Eric la Casa … Es sind namhafte Komponisten, die zu Silence Radio beitragen. Keiner von Ihnen hat es wirklich nötig, ohne Geld Kompositionen im Internet zur Verfügung zu stellen. Aber es geht ihnen um die Sache.

Oliv 19’50
Notre mission: Ca existe…

ÜN: Wir wollen zeigen: Uns gibt es. Wir sind der Beweis dafür, dass es Radiokunst in Belgien gibt. Man kann sie hören. Und man kann unsere Podcasts abonnieren.

Oliv 3’
Podcast – ca me n’interesse pas….

ÜO: …obwohl mich Podcasting eigentlich nicht interessiert. – Gut, es ist ein Hören à la carte. Das ist für das Publikum sicher attraktiv. Mir gefällt auch der Gedanke, dass man beim Hören von Radiokunst spazieren gehen kann. So wird sie ein Teil des eigenen Lebens.

Oliv 6’30
Dans ce sens: Ce n’est pas un choix…

ÜO: Aber Podcast ist nicht unser Medium der Wahl. Wenn mir jemand sagen würde: Hier ist der öffentliche Rundfunk, hier ist dein Sendeplatz, hier ist dein Schreibtisch – das würde ich auf jeden Fall bevorzugen. Aber es gibt dort weder Jobs noch genügend Radiokunst-Sendeplätze. Und so nehmen wir halt die Podcast-Technik, weil sie uns die Möglichkeit gibt, unsere Produktionen zu veröffentlichen.

E: Auch wenn – wie hier bei Silence Radio – die Qualität, die Downloadzahlen und die Community noch so groß sind: Eine Garantie, dass nach erfolgreichem Podcasting sich die Türen und Programmplätze der öffentlichen oder privaten Sender öffnen, ist das nicht.

A: Podcasting kann dann bedeuten: existieren am Rand, abhängig von den Listen der Podcastverzeichnisse, von den Empfehlungen einer vielleicht mehr, vielleicht weniger aktiven Community. Kein Budget. Wie lange kann man auf diese Weise existieren? Wer kann sich so etwas leisten?

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