Radio-Wandel

Die Mobilisierung des Hörens

von Sabine Breitsameter

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A: Ein Blick in die jüngste Kunst- und Kulturgeschichte zeigt: Mobile akustische Aktionen, wie zum Beispiel das von dem kanadischen Komponisten und Klangforscher Murray Schafer ins Leben gerufenen „Soundwalking“, haben das bewusste Hören erfolgreich zum ihrem Programm erhoben. Statt auf den Sitzplatz im Konzertsaal führen die Klangspaziergänge durch die Straßen der Stadt oder in die Natur hinaus. Indem sie ihre Teilnehmer in Bewegung setzen, sie zu akustischer Aufmerksamkeit motivieren, stellen sie ihnen anheim, ihren eigenen Hörfokus zu setzen und sich somit aus der Vielzahl der akustischen Eindrücke ihre subjektiven Hörwelt selbst zu mischen. Ähnliches gilt für das künstlerische Genre der Klanginstallation, das sich seit den 80er Jahren entfaltet.

(Teri Rueb)

A: Längst setzen zahlreiche Audio-Künstler ihre Hörer in Bewegung. So zum Beispiel auch die US-amerikanische Audiokünstlerin Teri Rueb. Sie schickt die Teilnehmer ihrer Installationen los, durch die Innenstadt Bostons etwa, oder – wie hier zu hören – durch das Watt vor Cuxhaven, mit Kopfhörern und einem kleinen Rucksack. Darin steckt ein Global Positioning System, das in Abhängigkeit der geographischen Koordinaten des Wanderers, Klänge auslöst, die Teri Rueb speziell für einen speziellen Ort geschaffen hat. Diese Klänge kann man über Kopfhörer hören. Sie sind gespeichert auf einem mobilen Player, der in dem Rucksack steckt, den man mitbekommen hat. Fast könnte man Teri Ruebs Arbeiten als Podcasts bezeichnen. Als Podcasts, deren Programmabfolge von der Bewegung im Raum des einzelnen Besuchers bestimmt wird.

E: Fast. Denn Teri Rueb stellt ihre Klänge nicht über das Internet zur Verfügung. Wer sie hören möchte, muß in den realen Raum, in die materielle Wirklichkeit treten, die sie dafür ausgewählt hat.

A: Das gleichförmig-rhythmische Wandern, die sichtbaren Landschaftseindrücke sowie die akustischen Materialien der Künstlerin: diese Faktoren wirken zusammen und machen das Hören hier zu einem besonders intensiven Erlebnis.

Rueb X
There ist his huge longinf

ÜR: Heutzutage ist ein großer Wunsch da nach räumlicher Unabhängigkeit, was ja auch ein grundsätzlicher Wunsch von Klang-Installationen ist. Früher waren diese mehr auf abgegrenzte Räume beschränkt. Und dieser Wunsch, diese Grenzen noch mal zu überschreiten, also noch mobiler zu sein, der hängt sicherlich mit unserer Zeit zusammen.

(Rueb-Beispiel Ende)

E: Hören und Gehen: Im Durchmessen von Orten und Räumen intensive und besondere Hörerfahrungen zu machen: darauf bauen auch die Podcasts des jungen Berliner Audiokünstlers Yukio King. Was ihm auf seinen akustischen Stadt-Spaziergängen vors Mikrophon kommt und besonders hörenswürdig erscheint, nimmt er auf und stellt es als Podcast bereit, so wie hier die Soundscape der Warschauer Brücke in Berlin-Kreuzberg,

(Klangbeispiel)

King 7
Mein Podcast heißt Berlincast. com. Ich sag immer „Punkt Com“ weil es tatsächlich eine (.) Firma gibt mit einer anderen Website, namens Berlincast, (.) weil ich will keine rechtlichen Schwierigkeiten bekommen. Aber auf jeden Fall ist es einfach ein Podcast, (.) das ist praktisch wie ein Blog, aber man kann die Episoden herunterladen.

(Türkenmarkt Kreuzberg)

E: Der Türkenmarkt am Maybachufer, der Neuköllner Helmholtzplatz, ein Spielplatz am Prenzlauer Berg, das Geräusch der Berliner U-Bahn bei der Einfahrt auf den Bahnhof Gleisdreieck: all diese Dinge stellt King seit Sommer 2005 regelmäßig als Podcast zur Verfügung.

(anderes Hörbeispiel)

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