Radio-Wandel
Die Mobilisierung des Hörens
von Sabine Breitsameter
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ZM: 2. April 2007: Der Begriff kommt laut der Suchmaschine Google im Internet rund 25 Millionen mal vor.
(Hörbeispiel)
E: Im San Francisco Museum of Modern Art will man mittels Podcast neue Besuchergruppen gewinnen, vor allem Menschen zwischen 20 und 30 Jahren.
A: Wer einen mp3-Player vorweisen kann, der die Podcasts des Museums speichert, erhält zwei Doller Ermäßigung.
E: Für sogenannten „ArtCasts“, die wie Radiosendungen aufgebaut sind, werden Programme entwickelt, die das Ausstellungsprogramm ergänzen oder auf alternative Weise beleuchten: Literaturlesungen, Audioperformances oder Hörspiele. – Auf ein jüngeres Publikum zielt ebenfalls der Podcast- Museumsführer des Jüdischen Museums Berlin, den man sich bereits vorab von der Website runterladen kann. Das Sigmund-Freud-Museum in Wien stellt auf seiner Website Podcasts mit Musik und Originaltönen als ergänzende Information zur Verfügung. Ebenso das ZKM Karlsruhe.
Im Londoner Victoria und Albert Museum fängt man zu ausgewählten Objekten Äußerungen von Besuchern ein und fertigt daraus abonnierbare Audioprogramme.
A: Das Museum wird zum Sender. Die Stimmen ihrer Besucher agieren als Kunstexperten.
E: Es gibt da noch eine ganze Reihe von inoffiziellen Museums-Führern, zum Beispiel von der Künstlergruppe „Art Mob“, die an Ausstellungen in New York City anknüpft, Interviewcollagen dazu bietet, Soundscapes oder humorvolle Kommentare.
(Hörbeispiel endet)
Haderlein S. 5
Ich hör mir (Podcasts) an, wenn ich die Zeit dazu habe. Und die Zeit, die wir heutzutage haben, die findet meistens, ja, in den so genannten „Third Places“ zwischen Arbeit und zuhause statt, im Auto, oder meinetwegen in den Cafes (.) wo man (.) auch Ruhe findet. (Das ist) ein dritter Ort zwischen Arbeit und Freizeit, in dem wir in einer mobiler werdenden Gesellschaft immer mehr Zeit verbringen. Die Autofahrt, die klassische, von zuhause ins Büro ist eigentlich das treffendste Bsp. Dort hab ich auch meine meisten Podcasts gehört bisher.
A: .. oder beim Warten auf den Bus, in der U-Bahn, beim Zugfahren, beim Sport, bei Spaziergängen …
Haderlein S. 5 (..)
Und beim Hund-Ausführen übrigens auch.
(Schritte im Watt Teri Rueb-Installation)
A: Aber kann mobiles Hören überhaupt ein aufmerksames Hören sein? Entspricht es nicht vielmehr der „zerstreuten Rezeption“, wie sie von Walter Benjamin bereits 1935 als charakteristisch für das Medium Film beschrieben wurde?
E: Im Konzert, vor dem Radio oder vor der Stereoanlage soll der Zuhörer – ähnlich wie in Schule oder Gottesdienst – von jeher seinen Platz einnehmen. Still und aufmerksam soll er die Ohren auf die Bühne oder zu den Lautsprechern – nach vorne also – ausrichten und sich nicht von der Stelle rühren. Denn nur das Verharren garantiere ihm, so heißt es, die Konzentration auf das, was Komponist, Autor, Regisseur sorgfältig produziert und vollendet haben.
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