Netzwerke und Schnittstellen

Der Medienkünstler Atau Tanaka

von Sabine Breitsameter

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E: Als ”Musik des Körpers” wird die BioMuse zuweilen missverstanden, die angeblich dem Prinzip des Organischen folge. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Alles Organische, das digitalisierbar ist, ist ein Stück weit Maschine, ist ihr kommensurabel. So kommt in der BioMuse nicht die menschliche Natur zum Ausdruck, sondern dasjenige an der menschlichen Natur, was der Maschine anverwandelbar ist.

(Musik Tanaka hoch, endet dann)

Z: ”Die Maschinen des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts zeigen: Jede Komponente kann mit einer anderen zusammengeschaltet werden, wenn der richtige Standard, der richtige Code konstruiert werden kann, um die Signale in einer gemeinsamen Sprache zu verarbeiten. Objekte, Räume, Körper sind nicht mehr unantastbar.” Integrität, Wesenhaftigkeit, Identität lassen sich nicht mehr wahren. (Donna Haraway)

(”Frankensteins Netz”)

Atau
There was a lot of excitement in this time around 1989 about Virtual Reality…

(Frankensteins Netz Ausblende)

Ü: In der Gegend in und um San Francisco kam dann Ende der achtziger Jahre auch das auf, was man mit dem Schlagwort ”Virtual Reality” bezeichnet.

(Musik Tanaka)

E: Per Daten-Handschuh oder –anzug mit einem Rechner verkabelt, bekam man ein überdimensionales stereoskopisches Display aufgesetzt, das wie eine merkwürdige Brille aussah. Per Kopfbewegungen und Körpergesten konnte man dann durch einen computer-designten dreidimensionalen Raum navigieren, der auf das Display projiziert erschien. Man war dabei in unmittelbarem Kontakt mit einer von Daten generierten Umwelt, welche Wahrnehmungen, Eindrücke und Empfindungen simuliert. – Das Erzeugen sinnlicher Illusionen war das Thema dieser sogenannten Cyberkultur. Der Computer konnte zum Schöpfer einer Welt werden, einer regelrechten Umwelt, und die Verdrahtung mit ihm, der Austausch von Daten zwischen Mensch und Computer, konnte – so jedenfalls waren die Erwartungen – auf elektronischem Wege unmittelbare Sensationen schaffen.

(Musik Tanaka endet)

Brenda
We talked a little bit about Virtual Reality…

B: Ich begann mich für Virtual Reality zu interessieren, weil sie von ihrer Definition her ein Ort ist, an dem es kein Interface gibt, sondern nur den Körper: Ich drehe meinen Arm, ich hebe meinen Kopf, ich fokussiere meinen Blick, und erlebe mich in einer Eigenwelt – so sollte es eigentlich funktionieren. Die Technik hat das allerdings noch nicht gelöst. Wenn wir irgendwann dahin gelangen, dann ist das Interessante daran nicht, sich von Illusionen einlullen zu lassen, sondern dass wir dann in bisher nie dagewesenem Maße Möglichkeiten haben, unsere Fantasien, gemeinsam mit anderen Menschen, zu realisieren und zu teilen.

Atau
It was in thinking about virtual Reality, that I saw the further possibilities…

Ü: Meine Erfahrungen mit der virtuellen Realität haben mich damals sehr angeregt, über neue Möglichkeiten akustischer Interaktion zwischen Mensch und Computer nachzudenken. Über interaktive Kunstkonzepte, aber auch über virtuelle Instrumente, Klangerzeuger, die nur im Datenraum existieren, die keinen materiellen Körper mehr haben. – Allerdings nutzte sich das Wort ”virtuell” ziemlich schnell ab. Und es gibt da auch in Kalifornien einen sehr unschuldigen Enthusiasmus gegenüber allem was neu ist und mit Technik zu tun hat.

Atau
I was still quite young at that time…

Ü: Ich war damals noch ziemlich jung. Aber allmählich wurde mir klar, daß diese Virtual Reality-Spektakel sich künstlerisch nicht wirklich weiterentwickelten. Daß diese Cyberkultur einer naiven Technologie-Verehrung anhing. Und das ist für mich nicht Kultur. Und ich wollte etwas anderes machen. Mir geht es darum, dass Technologie über sich hinausweist. Also verließ ich San Francisco.

Atau
So if we see technology and it’s cool – wow – O.K. where do we go next?

(Musik Tanaka)

St: 1992: Atau Tanaka zieht mit einem Stipendium nach Europa. Er beginnt Forschungsarbeiten am IRCAM, dem weltbekannten Musikforschungszentrum in Paris. 1993 gründet er mit den Komponisten Zbigniew Karkowski und Edwin van der Heide die Gruppe ”Sensorband”. Tanaka tritt mit der BioMuse auf, seine Kollegen steuern ihre Kompositionen mit Infrarot- bzw. Ultraschall-Sensoren. Mitte der 90-er Jahre beginnt Tanaka mit interkontinentalen telematischen Konzerten, die, per ISDN und später per Internet, akustische Aktionen verbinden, die gleichzeitig an verschiedenen Orten auf dem Globus stattfinden. In Amsterdam arbeitet er zusammen mit seiner Sensorband und in engem Austausch mit dem Komponisten Michael Weiszfisz an weiteren Projekten sensor-gesteuerter akustischer Interfaces.

(Musik Tanaka blendet aus)

Atau
If we think about interaction: interaction is something that happens between at least two things…

Ü: Interaktion geschieht zwischen mindestens zwei Wesenheiten – und der Punkt, wo sich beide begegnen, das Interface, ist ein interessanter Punkt, denn da findet die Interaktion statt.

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