Netzwerke und Schnittstellen
Der Medienkünstler Atau Tanaka
von Sabine Breitsameter
B: Was wir durch unsere Forschungen und Diskussionen erreichen konnten, ist die enorme Zunahme kreativer Anwendungen: Der Computer ist zu einem Werkzeug für öffentliche und private kulturelle Produktion geworden. Er steht nun immer weniger im Zentrum technologischer Debatten, sondern wird zu einem Bestandteil des kulturellen und ästhetischen Diskurses. Dennoch: Die Interfaces – dort, wo sich Mensch und Computer begegnen – sind längst noch nicht frei von technokratischer Ideologie.
St: Interface: der definierte Übergang zwischen zwei verschiedenartigen Systemen. Grundlage: ein gemeinsamer Kode. – Es gilt, beide Systeme in ihre gemeinsam kodierbaren Anteile umzuformen. Dann können die Daten fließen.
E: Der Computer: für seine Nutzer ist er identisch mit seinem Interface: mit Bildschirm, Tastatur, grafischer Benutzeroberfläche. Im Interface gewinnt die digitale Abstraktion der Maschine Fasslichkeit, wird fühlbar und zugänglich.
Atau
The computer is a very very rich machine, for creating nearly unlimited possibilities of sounds.
Ü: Der Computer verfügt über sehr reichhaltige Möglichkeiten um Klänge zu schaffen. Er bietet allerdings nur sehr armselige, unsinnliche Möglichkeiten, mit ihm in Kontakt zu kommen, um diese Klänge herzustellen.
(”Frankensteins Netz”)
E: Nicht der digitale Rechner an sich, vielmehr seine Erscheinungsform beeinflusst Wahrnehmung und Denkvorgänge, formt Kommunikations-und Arbeitsabläufe. Sie modelliert Sprache, Zeichen- und Begriffsbildung seiner Nutzer und prägt die Gewinnung von Material, Form und Sinn. So wie der Computer Gestalt gewinnt, nötigt er Sinne, Körper und Geist, sich ihm anzuverwandeln.
(”Frankensteins Netz Ausblende”)
Atau
The wonders of technology is kind of a great myth…
Ü: Die Wunder der Technologie hat man zu einem großen Mythos stilisiert. Ich selbst bin da sehr skeptisch. Wer in meinem Alter ist, lebt seit 15 oder 20 Jahren mit der digitalen Technologie. Das ist ziemlich anstrengend. Manchmal möchte ich den Computer einfach aus dem Fenster werfen. Gleichzeitig heißt es in der Werbung: Das alles wird unser Leben ändern. Das hat es sicherlich getan, aber nicht ganz auf diese wunderbare Weise, wie es uns von der Wirtschaft versprochen wurde. Selbst ich, der ich mein künstlerisches Leben dieser Sache widme: ich mag die Technologie nicht besonders. Ich sehe mich nicht als ihr Verfechter. Wenn jemand sagt, dass er damit nichts anfangen kann, dann verstehe ich das gut.
(”Frankensteins Netz”)
Z: ”Technologien lassen sich als Formalisierungen betrachten, d.h. als geronnene Momente unablässiger gesellschaftlicher Interaktion. Sie müssen aber auch als mächtige Instrumente zur Durchsetzung von Bedeutung verstanden werden.”
(”Frankensteins Netz” Ausblende)
(Donna Haraway)
Atau
I was a pianist, my instrument was the piano. (…) I played all through my youth.
Ü: Ich habe als Pianist angefangen, und habe auch während meiner ganzen Zeit an der Universität Klavier gespielt. Als Jugendlicher mochte ich am liebsten Chopin.
Atau 1/54
…and I must admit, I never managed to decode the Welltempered Clavier of Bach.
Ü: Mir ist es nie gelungen, das ”Wohltemperierte Clavier” von Bach zu entziffern. Bach ist genial, aber bei seinen vierstimmigen Fugen – wenn du versuchst , seine formale Absicht herauszuarbeiten, seine Phrasierungen, seine harmonischen Wendungen – da kommst du, wenn du nur zwei Hände hast, einfach an deine Grenzen.
(Musik-Mischung)
Atau
I liked Chopin because of the Rubato
Ü: Ich mochte das Rubato bei Chopin – die Zeit zwischen den Noten: das, was das automatisierte Gleichmaß aufhebt..
(Musik-Mischung hoch, endet dann)
