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Klangreise zu Hör-Sites im Internet

von Sabine Breitsameter

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Ü: Das Internet ist kein Medium, das auf Schallübertragung ausgerichtet ist.
Dafür ist es nicht geschaffen worden. Im Gegenteil. Was im Internet
vorherrscht, sind visuelle Zeichen, vor allem Text. – Es beruht auf
Wahrnehmungs- und Darstellungsweisen, die von unserer alphabetischen
Kultur geprägt sind, und das Internet verstärkt sie. Durch die zunehmende
Bedeutung des Internet laufen wir Gefahr, daß andere Wahrnehmungsweisen
verkümmern, zum Beispiel das Hören und die Taktilität. Beide hängen
übrigens eng miteinander zusammen. – Zwar gibt es seit einiger Zeit
Software-Programme, die Schall-Übertragungen im Internet möglich machen,
aber das ist noch nicht weit entwickelt.
Ich hoffe sehr, das Internet setzt die Vorherrschaft des Visuellen in unserer
Zivilisation nicht noch weiter fort.

Zit: Derrick de Kerckhove, Medientheoretiker aus Toronto, Kanada.

I: Medien: Teile unseres Körpers, verlängert und ausgeweitet von der Privat-
Sphäre hinaus in den öffentlichen Bereich:
Der Monitor: ein Fenster dorthin.
Das Internet: ein neues überdimensionales Auge, das Einblick verschafft
noch in die entferntestens Dokumente, Bilder, Szenarien.

Kerckhove
The very first time on the internet, when I saw sound …

Ü: Als ich zum ersten Mal Klänge im Internet vorfand, war ich sehr überrascht.
Das war, soweit ich mich erinnern kann, Anfang der neunziger Jahre: ein
kalifornisches Museum präsentierte Vogelstimmen. Das war damals etwas
ganz Besonderes, und ich merkte sofort: das neue Medium Internet gewinnt
dadurch viel mehr Tiefe.

I: Tiefe, das bedeutet: die Einsinnigkeit des Mediums öffnet sich.
Tiefe, das bedeutet auch: nicht Oberfläche, sondern Raum. Elektronischer
Raum, virtueller Raum: physisch zwar nicht erfahrbar, aber wirksam und
existent, jedenfalls, solange die angeschlossenen Rechner laufen.

(Tippgeräusche, Doppelklick, )

I: Die Finger auf der Tastatur – und plötzlich öffnet sich dieser Raum hinter
dem Monitor.
Das Internet: ein neuer elektroakustischer Raum.

(Klick-klick)
(amerikanische Begrüßungsstimme)

I: Freundliche Stimme beim Betreten der Website.

(Klick-klick)
(Gewiehere)

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