AudioHyperSpace
Klangreise zu Hör-Sites im Internet
von Sabine Breitsameter
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ÜW: Es finden regelrechte Kriege statt in der Industrie. Besonders in diesem Jahr
geht es hoch her zwischen Firmen, die im Bereich der Virtual-Reality-
Technologien tätig sind, vor allem im Bereich der Gestaltungs-Software. Einer
wird gewinnen. Und dann werden wir auf seine Art in den dreidimensionalen
Raum gezogen werden.
M: Mit welchen Metaphern, Anschauungsformen, Arbeitslogistiken uns das
Internet faßlich wird: das bestimmt im wesentlichen die Industrie. Sie liefert
die Werkzeuge zur Darstellung und vor allem zur Gestaltung. Werkzeuge, die
nicht für zweckfreies Kunstschaffen entwickelt wurden, sondern
Komponenten eines Fantasie-Designs und einer Bewußtseins-Industrie sind,
deren künftige Ausmaße wir allenfalls ahnen können.
Noch aber steckt alles in den Anfängen.
Thorington
“The artist must be willing to take the plunge into unsettled water..”
ÜW: Der Künstler muß gewillt sein, ins kalte Wasser zu springen, in eineSituation
voll technischer Unwägbarkeiten und künstlerischer Risiken; und er muß auch
sein Scheitern in Kauf nehmen können.
M: “Turbulence” – Unruhe lautet daher der Titel von Helen Thoringtons Website
Ein Teil der Werke, die dort präsentiert werden, lassen sich am ehesten als
Klanginstallationen begreifen, die sich in ihrer akustischen Substanz oft erst
per raffiniertem Navigieren durch grafische Hypertext-Markierungen hindurch
darbieten. Ganz besonderen Wert legt “Turbulence” allerdings auf Live-
Performances. Was bereits stattgefunden hat, kann aus einem Archiv
abgerufen werden.
(Loose Ends)
M: “Loose Ends – Connections” war eine solche Performance, die Mitte
September auf “Turbulence” stattfand. Sie verband drei entfernte Orte
akustisch per Internet: das für seine Hörkunst-Experimente so berühmte Mills-
College in Oakland/Kalifornien mit zwei Studios in New York City. Acht
Künstler wirkten mit, darunter so renommierten Komponistinnen wie Pauline
Oliveros und Brenda Hutchinson.
(Loose Ends)
Thorington
“I can imagine how sound might work in navigable space. How it would change.…”
ÜW: In Zukunft werden wir uns wahrscheinlich frei navigierend durch virtuelle
Räume bewegen können. Ich kann mir gut vorstellen, wie in einem solchen
Raum Schall funktioniert. Wie er sich verändert, wenn der User Perspektive
oder Position wechselt; was geschieht, wenn man sich in die Klänge
hineinbegibt und in ihnen schwimmt. – Aber ich kann mir all das nicht
vorstellen, ohne die Auflösung der Grenzen zwischen den traditionellen
Kunstsparten und Medien.
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