AudioHyperSpace
Klangreise zu Hör-Sites im Internet
von Sabine Breitsameter
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(Leitmotiv)
N: Wir unterbrechen unser Programm: Vor wenigen Minuten, kurz nach 15 Uhr,
ist das World Wide Web vollständig zusammengebrochen. Große
Datenverluste werden befürchtet. Die Netzwerke in aller Welt sind in
Alarmbereitschaft.
Unbestätigten Berichten zufolge wurden Internet-User von ihrem Modems in
das Labyrinth der weltweiten Kommunikationsnetzwerke abgesaugt.
Von morgen früh an, dem 5. Februar 1996, ab sechs Uhr, wird eine
behelfsmäßige Internet-Radiostation in Betrieb genommen. – Die Internet-
Adresse lautet: WWW – dot – t n c – dot – n e t.
Auf dieser Radio-Website erwartet Sie neben den neuesten Informationen
über die Netzkrise auch gute Unterhaltung …
(Musik: “The screen turned black”, Radio TNC)
Kittler
“Das Netz ist so entstanden unter dieser militärischen Halluzination, oder
alptraumartigen Last, daß die Russen sämtliche Kommando-Zentralen wegbomben
könnten, Minus eins, und dann würden dank Netz alle Nachrichten noch in dieses
eine Zentrum hineinfinden.”
M: Hörfunkstationen wie Radio France, BBC, Österreichischer Rundfunk, eine
Reihe von Pop-Sendern, Zeitungen wie die Libération und Le Monde,
Internet- Websites etwa von Museen und Online-Magazinen: sie alle
verbreiteten die Meldung vom Großen Webcrash. Allerdings war das Web am
Leben und funktionierte. Das ganze also nichts anderes als eine “Ente”?
M: Die Story vom Zusammenbruch der Informationsgesellschaft war der
geschickt lancierte Einstieg in ein auf zwei Jahre angelegtes,
medienübergreifendes Hör-Spiel, das sich weltweit auf der Internet-Website
von Radio TNC und europaweit in Radiosendungen der unterschiedlichsten
Stationen abspielte. Der Webcrash animierte Radiohörer, vor allem aber auch
Inter-User, sich an der Entwicklung einer phantasievollen, verzweigten und
vor allem witzigen Geschichte zu beteiligen, die ihnen gleichzeitig
Anknüpfungspunkte gab, Cyberspace und Netzwerke aus ihrer Sicht zu
thematisieren.
Kittler
“Ich denke, in diesem Bereich läßt sich am besten spielen. Weil dann das Medium
als etwas Kontingentes, nicht Garantiertes auftaucht. Jeder von uns weiß, was es
bedeutet, wenn die Maschine ausfällt und die Angst ist immer da, und Kunst könnte
gut mit dieser Angst spielen.”
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