AudioHyperSpace
Klangreise zu Hör-Sites im Internet
von Sabine Breitsameter
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M: Immer mehr Industrie- und Forschungsnetzwerke verbinden sich zu einem
“Netz der Netze”. Erst Anfang der 90er Jahre wird dieses Internet für eine
breitere Öffentlichkeit zugänglich: Unter Federführung des europäischen
CERN-Forschungszentrums wird mit dem “World Wide Web” ein Dienst
eingeführt wurde, dessen neuartige graphische Benutzeroberfläche vom in
der Bedienung kaum noch Spezialkenntnisse verlangt.
ÜW: November 1994:
T: “State of Transition”, das erste kollektive Hörspiel, das die Strukturen und
Möglichkeiten, des Internet nutzte, verbindet Internet-User, Radiohörer und
zwei Künstlergruppen in Graz und Rotterdam live über Telefon, Datenleitung
und Rundfunk-Übertragungstechnik.
ÜW: Oktober 1938:
M: Mit seinem Live-Hörspiel “The War of the Worlds – Der Krieg der Welten” löste
der Regisseur Orson Welles in den USA eines der spektakulärsten und
folgenreichsten Ereignisse der Radiogeschichte aus. – Tausende Zuhörer
glaubten an eine Invasion der Marsmenschen, telefonierten ängstlich mit der
Radioanstalt und flüchteten vor einer Gefahr, die nur in ihrer Phantasie
existierte.
Ein Effekt, der vor allem dadurch entstand, daß der Regisseur das
Radionetzwerk nutzte, um Live-Schaltungen zu entfernten Reportage-Orten
zu inszenieren. Eine Massenpanik brach aus, obwohl alle zehn Minuten über
den Äther der Hinweis gesendet wurde, das was sie hörten sei nur ein Spiel…
Kittler
“Ich hab ja immer versucht, als es noch gar kein Internet außer für Militärs und
Stanford-Universitäts-Angehörige gab, klarzumachen, daß das Rasante am Hörspiel
weniger dies sein muß, daß ein Sender jetzt im Sinne von Günter Eich seine Hörer
in eine bestimmte Illusion hineinsetzt, eine akustische, …
Zit: Friedrich Kittler, Germanist und Medien-Wissenschaftler, Berlin.
“ …sondern es gab ja Hörspiele, die die Radio- und Telefonwelt nochmals simuliert
haben. Ich denke an Krieg der Welten von Orson Welles, in welchem wirklich ein
Radio-, Telefon- und Kommando-System von 1938 sich abgebildet hat, als
riesengroßes akustisches Spiel mit berühmten Folgen …”
(Doppelklick)
Zit: “Auf jeden Fall wird den Menschen in der experimentellen Kunst eine
detaillierte Darstellung der kommenden brutalen Wirkung moderner
Technologien auf ihr eigenes Seelenleben vermittelt. Denn jene Teile unserer
selbst, die wir in Form neuer Erfindungen aus uns hinausprojizieren, stellen
Versuche dar, dem Druck von außen zu begegnen oder ihn zu neutralisieren.
Aber das Gegenreizmittel erweist sich gewöhnlich als größere Qual als der
ursprüngliche Reiz, wie bei der Rauschgiftsucht. Und gerade hier kann uns
der Künstler zeigen, wie man sich nicht aus dem Sattel werfen läßt, anstatt
immer nur klein beizugeben.”
(Herbert Marshall McLuhan)
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