The Famous Sound of Absolute Wreaders
Von Johannes Auer
Gratulation! Der Publikumspreis des Wettbewerbs „Literatur.digital 2003“ ging an „The Famous Sound of Absolute Wreaders“ von Johannes Auer. Als Radioversion war der literarische Text im September 2003 im ORF-Kunstradio über den Äther gegangen. – Ein leicht und humorvoll wirkendes, dennoch tiefgründiges Sprachgeflecht, das auf Arbeiten von sechs bekannten Netz-Autoren basiert. – Was ist ein „Absolute Wreader“?Reinhard Doehl, Sylvia Egger, Oliver Gassner, Martina Kieninger, Beat Suter und René Bauer generierten jeweils einen Text über die Webprojekte der anderen Teilnehmer. Zwei Sprecher (Christiane Maschajecki und Peter Gorges) sprachen die Texte fürs Radio: als Collage, Remix, Dialog und Rauschen.
„was ist ein “absoluter wreader”? bei idensen stosse ich über niels werber auf norbert bolz, der wiederum auf idensen stösst … verweise im kreise … so geht das im netz. zitate zitieren sich selbst am besten. es wird ständig weitergeschrieben. dabei schreibt manchmal der text selbst mit am text. der autor wird zum staunenden leser, während der leser zum autor, mitautor oder wenigstens mitarbeiter am text wird.“
(Beat Suter)
Die Radioversion von „The Famous Sound of Absolute Wreaders“ besteht aus vier Teilen. Jeder Teil steht für eine unterschiedliche Methode, die festlegt, auf welche Weise der gemeinschaftlich geschaffene Text entsteht. Die einzelnen Sequenzen repräsentieren verschiedene Grade, Qualitäten und Strategien menschlicher bzw. maschineller Kontrolle.
„Teil 1 ist eine Art „handcollagierte“ Fassung aus dem gesamten Fundus an Autorentexten und ist damit „menschlich” kontrolliert. Für den 2. Teil wurden die Textbausteine dieser Collage durch den Computer neu zusammengesetzt (zufalls-”generiert”) – menschliche Kontrolle wurde aufgegeben. Im 3. Teil kommentieren die Sprecher diese vom Computer generierte Collage, wodurch menschliche Kontrolle wieder zurückgewonnen (die Autorschaft allerdings einmal mehr unterlaufen) wird. Im 4. Teil verlieren schließlich die Sprecher selbst durch den Einfluß von Alkohol die Kontrolle …“
Zwar hat Johannes Auer für sein Stück ein abstrakt anmutendes Konzept formuliert und auch die akustische Realisation mit formaler Strenge produziert, trotzdem öffnet sich der Text beim Hören hin zum Spielerischen, Unterhaltsamen und Ironischen. Greifbar wird, wie die unterschiedlichen Bedingungen der Textverfertigung und des Collagierens das Entstehen von Inhalt und Zusammenhang bestimmen. Auch kann man erfahren, wie die verschiedenen Kontrollstrategien und ihre sprachlichen Rhetoriken den Hörer dazu bringen, ad hoc unterschiedliche Interpretationsstrategien zu entwickeln.
Kurz und gut: Es macht einfach Spass, den Sprechern beim immer wieder neuen Verfertigen von Text und Sinn zuzuhören und die einzelnen Kontrollstrategien dabei nachzuvollziehen.
Projekt-Webseite „The Famous Sound of Absolute Wreaders“ von Johannes Auer:
http://kunstradio.cyberfiction.ch/
Projekt anhören:
http://www.kunstradio.at/2003B/07_09_03.html
Mehr zum Wettbewerb „Literatur.digital 2003“:
http://www2.onunterhaltung.t-online.de/dyn/c/15/02/44/1502444.html
Interview Johannes Auer:
http://www.swr.de/swr2/audiohyperspace/ger_version/interview/auer.html
verfasst im Februar 2004 unter Audiolinks des Monats
